Mittwoch, 3. Dezember 2014

Der Sommer auf der Wiese vergeht.

Es waren bereits einige Monate vergangen, seit dem die beiden neuen Schafe in unsere Herde gekommen waren. Mit Sir Ohnewoll verstand ich mich prächtig, meist graßten wir zusammen und sprachen über Gott und die Welt. Das andere Schafe ... Ich wusste nicht recht, was ich von ihm halten sollte. Oft stand er einfach nur neben Sir Ohnewoll und mir und fraß sein Graß. Die wenigen Mähs , die ich mit ihm gewechselt hatte, waren meist nur ein "Ja" oder "Nein" mäh gewesen. Manchmal, wenn ich bei den Anderen oder am Fluss stand, um einen Schluck Wasser zu trinken sah ich ihn , sich mit Sirr Ohnewoll unterhalten. Ich hatte nie mitbekommen über was sie dann redeten ...
Seit der Ankunft von Sir Ohnewoll und ... ich hatte immernoch keinen Namen für ihn gefunden .. hatte Glen immer mal wieder Schafe mitgebracht. Einige blieben nur ein paar Tage, andere sogar für eine oder zwei Wochen. Mit allen ließ sich super Graß fressen und weiden. Mit den Meisten konnte man sogar Wettrennen über die Weide machen. Doch all' diese Schafe verschwanden wieder.
Der einzige, der nicht verschwand, war Moppel. Seit dem Tag an dem er aufgehört hatte mit mir zu mähe, hatte ich nie wieder ein Mäh mit ihm gewesechlt. Manchmal schien es mir, als würde er mich aus den Augenwinkeln heraus ansehen, doch wenn ich meinen Kopf hob und zu ihm herüber blickte, starrte er bereits in eine andere Richtung. Ein Mal, wäre ich sogar fast zu ihm gegangen ... doch etwas in mir, hielt mich davon ab. Schnell verdrängte ich den Gedanken wieder in den hinteren Teil meines Kopfes.

Dienstag, 21. Januar 2014

Die Neuen.

Am nächsten Tag erwachte ich erst spät. Selbst die Langschläfer waren bereits auf den Beinen und wippten von einem Huf auf den Anderen. Alle warteten darauf, dass Glenn endlich das Tor öffnete und uns 'raus auf die Weide ließ. Auch ich schob' mich langsam aber stetig nach vorne.Immer mehr presste sich Fell an Fell und die ersten Schafe berührten mit ihrer Schnute schon beinahe die Tür als es plötzlich vor der Tür klapperte. Geräusch für Geräusch verfolgte unsere Herde wie Glenn , erst das Schloss öffnete, dieses abzog und es dann wieder an einer Seite des Tores zuklackte. Er zog die Kette ab und hängte sie lose über die Gatterstange. Langsam und knarzend öffnete sich die Tür.  Beppo hätte uns wahrscheinlich wie ein wild gewordener Bär aus dem Stall gejagt und wir wären auseinander gestoben, wie eine wilde Meute , wenn da nicht etwas gewesen wäre, das unser aller Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätte. Glenn öffnete das komplette Tor und vor uns standen ... zwei Schafe. "Ich hab' euch da wen mitgebracht" sagte Glenn beiläufig, während er auch das Gatter öffnete.
Wir begutachteten die Zwei, die etwa einen Meter vor dem Tor standen. "Die Beiden müssen sich ganz schön doof vorkommen" dachte ich mir insgeheim "So von einer ganzen Herde gemustert ..." Plötzlich riss mich ein freundliches Mähen aus den Gedanken. "Hallo, ich bin Sir Ohnewoll". Eines der Schafe hatte ein paar Schritte auf uns zu gemacht. "Und warum ich so heiße , ist wohl nicht schwer zu erkennen". Da hatte er recht.Sir Ohnewoll schien der Ältere von den Zweien zu sein und wohl älter als wir alle Beide hatten eine undefinierbare Fellfarbe. Es schien ein sehr sehr dunkles Grau zu sein. Seines war jedoch heller und etwas spröder als das des Anderen. Das und die kleinen , vielen kahlen Stellen hatten ihm wohl seinen Namen verpasst. Mit seinem etwas schief gelegten Kopf wirkte er jedoch ganz sympathisch.
Mutig quetschte ich mich durch die Herde nach ganz vorne. "Hallo, Sir Ohnewoll. Herzlich Willkommen bei uns auf der Weide. Und wer bist du ?!" Ich schaute in Richtung des anderen Schafes, dass immer noch ungerührt da stand. Es erklang kein Laut. Das dunkelgraue Schaf schwieg. Sir Ohnewoll trat nochmal näher und flüsterte mir leise in mein Ohr "Er redet nicht. Zumindest mit keinem Fremden". Kein anderes Schaf schien dieses Mähen gehört zu haben, denn alle blickten es immer noch erwartungsvoll an. Das jähe Schweigen durchbrach Beppo mit seinem lauten Bellen. "Komm' ich zeige euch die besten Stellen" mähte ich Sir Ohnewoll und dem noch namenlosen Schaf zu. So trottete die Herde mit mir und den zwei Fremden vorran in Richtung Weide ...

Montag, 20. Januar 2014

Moppel.

Ich wusste nicht, wann oder wie ich eingeschlafen war. Als ich die Augen öffnete , blinzelte mir die Sonne entgegen. Der Tau lag noch leicht auf den Gräsern , doch der Nebel verzog sich bereits langsam. Noch etwas benommen streckte ich meine Beine von mir. Alles knackste, als ich mir stehend die Tautropfen vom Fell schüttelte. Durch die leichten Nebenschwaden sah ich bereits Glenn und Beppo die Anderen auf die Weide treiben. Niemand schien sich wirklich dafür zu interessieren, ob ich nachts draußen geblieben war oder nicht. Nur Glenn kam herüber. "Warst du etwa die ganze Nacht hier draußen ?!" Ich schnaubte nur. "Na, ein Glück, das dich die Wölfe nicht gerissen haben. " Er klopfte mich und schritt dann langsam zu seiner Bank herüber. Etwas irritiert schaute ich ihm nach . Anscheinend  hatte niemand mitbekommen, was letzte Nacht geschehen war. Vielleicht sollte ich es jemandem erzählen ,dachte ich mir. Ich schaute mich um. Fräulein Woll - wenn ich es ihr erzählen würde, könnte ich es gleich über die Weide schreien ,  Sheepard - der würde es morgen schon wieder vergessen haben und Glenn - der würde mich nicht verstehen. Einmal war ich ganz ärgerlich zu ihm gelaufen um ihm zu sagen, dass Moppel das ganze Heu aufgefressen war. Er hatte mich nur verwirrt angesehen, den Kopf geschüttelt und etwas gemurmelt, das wie "Merkwürdige Schafe habe ich da" klang.
Ich hätte mich schon wieder aufregen können, wenn ich daran dachte, wie Moppel eines Abends ...
Moppel , das war es. Ihm könnte ich es erzählen. Er würde mir zuhören.
Wie aus Gedanken gerissen schaute ich auf, wo war der eigentlich ?! Suchend blickte ich umher. Moppel stand wie üblich schmatzend in einer Ecke der Weide und starrte nur den Boden an.
Leichhufig trabte ich zu ihm herüber. Doch etwas was anders als sonst. Als Moppel mich bemerkte, hob er nicht den Kopf wie sonst um mich mit einem leicht verwirrten Gesicht anzuschauen , die Schnute kauend auf und ab bewegend. Er stand nur da und regt sich nicht. Ich stellte mich zu ihm und wartete darauf, dass er etwas sagte. Doch auch nach 5 Minuten hatte er noch nichts gesagt. Erst jetzt bermekte ich, dass er langsam aber kontinuierlich sich nach links bewegt hatte. Mhh, vielleicht hat er ja nur eine neue Stelle gefunden, versuchte ich mir einzureden. Erneut trabte ich zu Moppel. Diesmal blickte er auf. Ich weiß nicht ob ihr je ein aggressives Schaf gesehen habt , aber es flößt einem Angst ein. Nicht so sehr wie ein Wolf oder ein Bär , aber seine Augen verengen sich und seine Ohren sind flach an den Kopf gelegt. Sein Körper plustert sich auf und es scharrt mit den Hufen. Nach dem Moppel einige Minuten so vor mir gestanden hatte, lief er demonstrativ davon und ließ mich verwirrt zurück. Ich muss dagestanden haben wie ein begossener Pudel, denn Fräulein Woll kam herangetrabt. Mit ihrem neugierigen Augen blickte sie mich an.  "Ist gestern Abend eigentlich irgendwas passiert ?!" fragte ich mit starrem und leerem Blick. "Nein, alles wie immer. Wieso fragst du ?!" mähte sie fiepsig zurück. "Ach, nichts". Ich schüttelte den Kopf. Fräulein Woll blickte immer noch neugierig 'drein, als erwarte sie von mir von mir den neusten Klatsch  und Tratsch. Ich hört jedoch wie sie schon kurze Zeit später in eine andere Richtung der Weide trabte.
Den Rest des Tages graste ich stumm und teilnahmslos in der Ecke, in der heute Morgen auch Moppel gestanden hatte. Erst als Beppo am Abend wild Richtung Tor jagte und Glenn nach uns pfiff, hob ich den Kopf wieder. Wie im alltäglichen Tran hastete ich ebenfalls zum Ausgang der Weide.
Auch im Stall kuschelte ich mich in die hinterste Ecke ins Stroh. Mit einem etwas traurigen Gefühl schloss ich die Augen.
An die Wölfe hatte ich heute kein einziges Mal gedachte ...



Sonntag, 5. Januar 2014

Wie alles begann ...

Ich bin ein Schaf. Ich lebe auf einer Wiese mit vielen anderen Schafen. Täglich grasen wir gemeinsam am Fuße eines Berges. Von morgens an, wo der Nebel noch das Tal bedeckt und der Tau das Gras so saftig und frischt macht bis in den Abend hinein , bis der Schäfer uns von der Weide holt. Dann nach dem orangenen Sonnenuntergang , der alle immer so schimmern lässt , läufen wir gemeinsam in der Dämmerung herüber zum Stall. Vorne geht Glenn, unser Schäfer und hinten scheucht Beppo, der wilde Hund. Ständig läuft er um uns herum. Mopple ist beim ersten Mal ziemlich nervös geworden und wollte nach ihm treten. Dabei hat er versehentlich meine Schnauze getroffen. Beppo hat die Zähne gefletscht und Mopple hatte ganz schön Angst. Seit dem darf er immer vorne beim Schäfer laufen. Über die ganze große Wiese müssen wir traben um zum Stall zu kommen.
Eines Abends , da habe ich ein bisschen getrödelt, aber ich hatte gerade eine soooo saftige Stelle gefunden und wollte noch ein wenig weiter grasen.Ich ließ es mir noch eine Weile schmecken, doch als ich aufschaute , war es bereits so dämmerig , dass ich kaum noch einen Huf vor Augen sah. Ich hörte kein Schmatzen mehr. Kein Getrappel , geschweige denn ein sanftes Hin und Her rollen im Gras. Geistesabwesend rief ich nach Moppel. Der kam immer, wenn man ihn rief. Nichts. Ich rief nochmal. Wieder nichts. Im Halbdunkeln versuchte ich mich über die Weide zu tasten und tatsächlich da, da war die Laterne vom Stall. Sie beleuchtete das Tor. Ein Glück, es war noch leicht geöffnet. Ich wollte gerade erleichtert lostraben, als ich plötzlich Hufe hörte. Es war aber nicht das übliche , fröhlich leichte Getrappel sondern ein leises , beinahe bedächtiges einen Huf vor den Anderen setzten. Plötzlich sah ich wie ein paar von uns, den Stall verließen. Ich war zu weit weg um zu erkennen, wer es war. Moppel war jedenfalls nicht dabei - so rund und flauschig wie der war ... den würde man auf einem Kilometer noch erkennen. Das schimmernde Licht der Lampe beleuchtet das weiße Fell. Plötzlich erschrak ich. Die Schafe schüttelten sich und es war als fiele das Fell von ihnen ab. Dann war es dunkel. Das Fell lag wie Wolle verteilt auf dem Platz vor dem Stall. Und dann sah ich es. Das Blitzen. Dieses Blitzen , das es nur einmal gibt, das jedes Schaf sofort erkennt. Das Blitzen des Zähne eines fletschenden Wolfes. Ich sah es einige Mal. Drei , nein vier Wölfe mussten es sein. Vor lauter Angst , wären mir meiner die Beine eingeknickt. Lege dich besser hin, mähte es in mir. Ich versuchte, ohne einen Muks mich ins zu lassen. Ich wollte schon leise aufatmen, da knackte ein Ast unter mir. Blitzschnell drehte die Wölfe sich um. Ich hielt den Atem an. Aggressiv blickten sie 'drein , mir wurde so bange wie noch nie zu vor. Eine Weile blickten sie ins leere Dunkel und schritten dann gewaltig in Richtung der Straße.