Ich wusste nicht, wann oder wie ich eingeschlafen war. Als ich die Augen öffnete , blinzelte mir die Sonne entgegen. Der Tau lag noch leicht auf den Gräsern , doch der Nebel verzog sich bereits langsam. Noch etwas benommen streckte ich meine Beine von mir. Alles knackste, als ich mir stehend die Tautropfen vom Fell schüttelte. Durch die leichten Nebenschwaden sah ich bereits Glenn und Beppo die Anderen auf die Weide treiben. Niemand schien sich wirklich dafür zu interessieren, ob ich nachts draußen geblieben war oder nicht. Nur Glenn kam herüber. "Warst du etwa die ganze Nacht hier draußen ?!" Ich schnaubte nur. "Na, ein Glück, das dich die Wölfe nicht gerissen haben. " Er klopfte mich und schritt dann langsam zu seiner Bank herüber. Etwas irritiert schaute ich ihm nach . Anscheinend hatte niemand mitbekommen, was letzte Nacht geschehen war. Vielleicht sollte ich es jemandem erzählen ,dachte ich mir. Ich schaute mich um. Fräulein Woll - wenn ich es ihr erzählen würde, könnte ich es gleich über die Weide schreien , Sheepard - der würde es morgen schon wieder vergessen haben und Glenn - der würde mich nicht verstehen. Einmal war ich ganz ärgerlich zu ihm gelaufen um ihm zu sagen, dass Moppel das ganze Heu aufgefressen war. Er hatte mich nur verwirrt angesehen, den Kopf geschüttelt und etwas gemurmelt, das wie "Merkwürdige Schafe habe ich da" klang.
Ich hätte mich schon wieder aufregen können, wenn ich daran dachte, wie Moppel eines Abends ...
Moppel , das war es. Ihm könnte ich es erzählen. Er würde mir zuhören.
Wie aus Gedanken gerissen schaute ich auf, wo war der eigentlich ?! Suchend blickte ich umher. Moppel stand wie üblich schmatzend in einer Ecke der Weide und starrte nur den Boden an.
Leichhufig trabte ich zu ihm herüber. Doch etwas was anders als sonst. Als Moppel mich bemerkte, hob er nicht den Kopf wie sonst um mich mit einem leicht verwirrten Gesicht anzuschauen , die Schnute kauend auf und ab bewegend. Er stand nur da und regt sich nicht. Ich stellte mich zu ihm und wartete darauf, dass er etwas sagte. Doch auch nach 5 Minuten hatte er noch nichts gesagt. Erst jetzt bermekte ich, dass er langsam aber kontinuierlich sich nach links bewegt hatte. Mhh, vielleicht hat er ja nur eine neue Stelle gefunden, versuchte ich mir einzureden. Erneut trabte ich zu Moppel. Diesmal blickte er auf. Ich weiß nicht ob ihr je ein aggressives Schaf gesehen habt , aber es flößt einem Angst ein. Nicht so sehr wie ein Wolf oder ein Bär , aber seine Augen verengen sich und seine Ohren sind flach an den Kopf gelegt. Sein Körper plustert sich auf und es scharrt mit den Hufen. Nach dem Moppel einige Minuten so vor mir gestanden hatte, lief er demonstrativ davon und ließ mich verwirrt zurück. Ich muss dagestanden haben wie ein begossener Pudel, denn Fräulein Woll kam herangetrabt. Mit ihrem neugierigen Augen blickte sie mich an. "Ist gestern Abend eigentlich irgendwas passiert ?!" fragte ich mit starrem und leerem Blick. "Nein, alles wie immer. Wieso fragst du ?!" mähte sie fiepsig zurück. "Ach, nichts". Ich schüttelte den Kopf. Fräulein Woll blickte immer noch neugierig 'drein, als erwarte sie von mir von mir den neusten Klatsch und Tratsch. Ich hört jedoch wie sie schon kurze Zeit später in eine andere Richtung der Weide trabte.
Den Rest des Tages graste ich stumm und teilnahmslos in der Ecke, in der heute Morgen auch Moppel gestanden hatte. Erst als Beppo am Abend wild Richtung Tor jagte und Glenn nach uns pfiff, hob ich den Kopf wieder. Wie im alltäglichen Tran hastete ich ebenfalls zum Ausgang der Weide.
Auch im Stall kuschelte ich mich in die hinterste Ecke ins Stroh. Mit einem etwas traurigen Gefühl schloss ich die Augen.
An die Wölfe hatte ich heute kein einziges Mal gedachte ...
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