Sonntag, 5. Januar 2014

Wie alles begann ...

Ich bin ein Schaf. Ich lebe auf einer Wiese mit vielen anderen Schafen. Täglich grasen wir gemeinsam am Fuße eines Berges. Von morgens an, wo der Nebel noch das Tal bedeckt und der Tau das Gras so saftig und frischt macht bis in den Abend hinein , bis der Schäfer uns von der Weide holt. Dann nach dem orangenen Sonnenuntergang , der alle immer so schimmern lässt , läufen wir gemeinsam in der Dämmerung herüber zum Stall. Vorne geht Glenn, unser Schäfer und hinten scheucht Beppo, der wilde Hund. Ständig läuft er um uns herum. Mopple ist beim ersten Mal ziemlich nervös geworden und wollte nach ihm treten. Dabei hat er versehentlich meine Schnauze getroffen. Beppo hat die Zähne gefletscht und Mopple hatte ganz schön Angst. Seit dem darf er immer vorne beim Schäfer laufen. Über die ganze große Wiese müssen wir traben um zum Stall zu kommen.
Eines Abends , da habe ich ein bisschen getrödelt, aber ich hatte gerade eine soooo saftige Stelle gefunden und wollte noch ein wenig weiter grasen.Ich ließ es mir noch eine Weile schmecken, doch als ich aufschaute , war es bereits so dämmerig , dass ich kaum noch einen Huf vor Augen sah. Ich hörte kein Schmatzen mehr. Kein Getrappel , geschweige denn ein sanftes Hin und Her rollen im Gras. Geistesabwesend rief ich nach Moppel. Der kam immer, wenn man ihn rief. Nichts. Ich rief nochmal. Wieder nichts. Im Halbdunkeln versuchte ich mich über die Weide zu tasten und tatsächlich da, da war die Laterne vom Stall. Sie beleuchtete das Tor. Ein Glück, es war noch leicht geöffnet. Ich wollte gerade erleichtert lostraben, als ich plötzlich Hufe hörte. Es war aber nicht das übliche , fröhlich leichte Getrappel sondern ein leises , beinahe bedächtiges einen Huf vor den Anderen setzten. Plötzlich sah ich wie ein paar von uns, den Stall verließen. Ich war zu weit weg um zu erkennen, wer es war. Moppel war jedenfalls nicht dabei - so rund und flauschig wie der war ... den würde man auf einem Kilometer noch erkennen. Das schimmernde Licht der Lampe beleuchtet das weiße Fell. Plötzlich erschrak ich. Die Schafe schüttelten sich und es war als fiele das Fell von ihnen ab. Dann war es dunkel. Das Fell lag wie Wolle verteilt auf dem Platz vor dem Stall. Und dann sah ich es. Das Blitzen. Dieses Blitzen , das es nur einmal gibt, das jedes Schaf sofort erkennt. Das Blitzen des Zähne eines fletschenden Wolfes. Ich sah es einige Mal. Drei , nein vier Wölfe mussten es sein. Vor lauter Angst , wären mir meiner die Beine eingeknickt. Lege dich besser hin, mähte es in mir. Ich versuchte, ohne einen Muks mich ins zu lassen. Ich wollte schon leise aufatmen, da knackte ein Ast unter mir. Blitzschnell drehte die Wölfe sich um. Ich hielt den Atem an. Aggressiv blickten sie 'drein , mir wurde so bange wie noch nie zu vor. Eine Weile blickten sie ins leere Dunkel und schritten dann gewaltig in Richtung der Straße.

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